PRESSEMITTEILUNG
zur Tagung:
"Strategien und Instrumente für den Wettbewerb in der Energiewirtschaft"
21. bis 23. Februar 2001, Technische Universität Wien
KURZFASSUNG
Die offenen Fragen in bezug auf die Liberalisierung der Strommärkte in Europa und speziell auch auf Österreich bezogen wurden bei der Fachtagung IEWT2001 an der TU Wien von internationalen Experten diskutiert. Als wichtigste Ergebnisse fasste Reinhard Haas von Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft zusammen:
LANGFASSUNG
Die offenen Fragen in bezug auf die Liberalisierung der Strommärkte in Europa und speziell auch auf Österreich bezogen wurden bei der wissenschaftlichen Fachtagung IEWT2001 an der Technischen Universität Wien von internationalen Experten diskutiert. Dabei zeigte sich deutlich, daß weit mehr offene Fragen und Unsicherheiten existieren, als dies bisher der Fall zu sein schien.
Grundsätzlich wird die Liberalisierung der Elektrizitätswirtschaft sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch aus politischer Sicht in Europa (noch) sehr wohlwollend verfolgt. Die jüngsten Ereignisse in Kalifornien haben aber zumindest zum Nachdenken darüber angeregt, welche möglichen Rückschläge auch in Europa eintreten könnten. Überraschenderweise gibt es aber auch in Europa nur wenige fundierte Studien, die sich mit möglichen Entwicklungen in liberalisierten Strommärkten auseinandersetzen.
Funktioniert der freie Strommarkt am 1. Oktober 2001?
Von großem Interesse ist natürlich, ob am 1. Oktober 2001 der vollkommen freie Strommarkt in Österreich tatsächlich funktionieren wird. Sektionschef Zluwa (BMWA) äußerste sich diesbezüglich sehr optimistisch und er pries die Vision schlanker Elektrizitätsunternehmen abseits verkrusteter Strukturen der Vergangenheit.
Hans-Jörg Tengg stellte deutlich fest, daß es "keine technischen Probleme in bezug auf die vollkommene Marktöffnung" geben werde. Allerdings sei noch eine Reihe von organisatorischen Problemen offen, bei denen vor allem der Regulator unter Zugzwang stehe.
Ob die völlige Marktöffnung allerdings dazu führt, daß die Haushaltsstrompreise merklich sinken, ist jedoch einzig und allein davon abhängig, ob der Regulator es schafft, die Netzgebühren substantiell zu senken.
Rahmenbedingungen für effektiven Wettbewerb
Als wichtigste Bedingungen um effektiven Wettbewerb gewährleisten zu können, nannte Reinhard Haas (TU Wien)
Stoppen der derzeitigen Fusionsmanie auf europäischer Ebene! Denn in den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der großen europäischen Stromerzeuger durch Fusionen von 17 auf 12 reduziert!
Ernsthaftes Unbundling von Stromerzeugung und Netz europaweit! Speziell in Deutschland und Frankreich aber auch in Österreich und der Schweiz besteht hier noch dringender Handlungsbedarf!
Schlechte Erfahrungen aus Deutschland
In bezug auf die Erfahrungen aus Deutschland verdeutlichte Prof. Wolfgang Pfaffenberger vom Bremer Energieinstitut, dass der Markt in Deutschland nach drei Jahren Marktöffnung praktisch noch immer nicht funktioniert. Als wesentlichste Probleme nannte er die hohen Netzgebühren und die Tatsache dass Haushaltskunden praktisch keine wirklich attraktiven Preisreduktionen erhalten haben.
Das Ende billigen Stroms!
In einem Punkt waren sich die Experten einig: Liberalisierung führt nicht zu langfristig niedrigeren Strompreisen, das Ende billigen Stroms ist nahe, auch wenn Politiker sehr oft das Gegenteil versprechen. Zwar sinken die Preise nach Einführung der Liberalisierung kurzfristig in allen Marktsegmenten. Nach einiger Zeit werden sie aber wieder deutlich ansteigen, vor allem aufgrund der zunehmenden Fusionen unter Stromerzeugern und der damit verbundenen Oligopolbildung sowie dem europaweiten Abbau von Kapazitäten bei gleichzeitig sinkender Akzeptanz für Kraftwerksneubauten. Christoph Riechmann von Frontier Economics (London) verdeutlichte darüber hinaus, dass derzeit strategische Preise von Stromerzeugern europaweit an Bedeutung gewinnen.
Gute Chancen für "neue" erneuerbare Energieträger
Die Chancen für erneuerbare Energieträger (Wind, Sonne, Biomasse) werden grundsätzlich sehr positiv eingeschätzt, wenngleich vor übertriebenen Erwartungen gewarnt wird. Derzeit ist der Jährliche Zuwachs an Strom aus "neuen" erneuerbaren noch immer geringer als das absolute Stromverbrauchswachstum. Darüber hinaus ist zunehmend mit Akzeptanzproblemen z.B. bei Windkraftanlagen und Biomassekraftwerken zu rechnen.
Vollbeschäftigung für den Regulator
Wie Prof. Günther Brauner vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der TU Wien erläuterte, wird der Regulator mit einigen Problemen konfrontiert werden, die einer raschen Klärung bedürfen. Vor allem die Frage der Qualitätssicherung bei den Netzen, des nicht diskriminierenden Netzzugangs und die korrekte Festsetzung von Benchmarks für die Netzkosten seien hier hervorzuheben. Hans Auer verdeutlichte, dass nur ein einheitliches europäisches Benchmarking-Modell für die Netzgebühren den grenzüberschreitenden Wettbewerb garantieren kann. Darüber hinaus muss der Regulator - um kalifornische Verhältnisse zu vermeiden - auch für eine transparente Darstellung der Marktentwicklung sorgen und den Abbau von Kapazitäten sowie Stromverbrauchszuwächse sorgfältig beobachten.
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